Sind wir schon mitten in der Apokalypse? Worin liegt der Schlüssel für das Gelingen der Transformation? Kann die Bilanzierung der wahren Kosten in der Landwirtschaft zu einer guten Ernährung der Weltbevölkerung beitragen? Ist ziviler Ungehorsam mit unserem christlichen Glauben vereinbar?
Um solche Fragen drehte sich der Onlinekongress „Glaube Liebe Wandel“, der dieses Jahr im März bereits zum dritten Mal in Folge stattfand. Martin Horstmann von der Melanchthonakademie in Köln und Kathrin S. Kürzinger von der Evangelischen Akademie im Rheinland haben wieder Expert:innen aus dem kirchlichen Bereich zum sozial-ökologischen Wandel interviewt. Dabei geht es darum, wie Transformation in Kirche und Diakonie gelingen kann, worin Herausforderungen bestehen und wie man Menschen zum Wandel motivieren kann.
Besonders deutlich wurde in allen Interviews, dass Wandel auch eine spirituelle Komponente hat und dass genau darin die Stärke von Kirche und Theologie liegen kann. So geht es etwa um die Verbundenheit aller Mitgeschöpfe sowie die Beziehung zwischen Mensch, Tier und Pflanze. Darüber hinaus geht es um Gärten als Hoffnungsbilder und inwiefern Kunst als Medium der Transformation dienen kann. Angesichts der aktuellen Zuspitzung der Klimakrise ist es dennoch in allen Gesprächen eine hoffnungsvolle und motivierende Haltung zu entdecken, um den Wandel gemeinsam zu meistern. Viele Inspirationen dazu lassen sich in den Videos finden.
Eine Auswahl der Videogespräche veröffentlichen wir nach und nach im Laufe des Junis hier auf dieser Seite und auf unserem YouTube-Kanal „ eair-diskurse “.
Auf YouTube: Markus Wolter – Gute Ernährung für alle
Markus Wolter, Experte für Landwirtschaft und Welternährung bei Misereor, spricht über die Herausforderungen und Möglichkeiten einer guten Ernährung für alle. Er betont, dass die Lösungen bereits bekannt seien, jedoch ein Umsetzungsproblem bestehe. Im Interview hebt Wolter die Bedeutung von kleinteiliger und regionaler Landwirtschaft sowie sogenannte Agroforstsysteme für die Krisenfestigkeit hervor. Besonders interessant ist seine Erläuterung zur Bilanzierung der wahren Kosten in der Landwirtschaft, um eine gerechte und nachhaltige Ernährung zu gewährleisten. Darüber hinaus weist er auf die Rolle der KonsumentInnen hin sowie auf die Notwendigkeit politischer Steuerungselemente, um nachhaltige Praktiken zu fördern. Das Videogespräch können Sie hier ansehen .
Auf YouTube: Ruben Zimmermann – Bibel, ziviler Ungehorsam und Klimadiskurs
Ruben Zimmermann, Professor für Neues Testament und Klimaaktivist, referiert über die Sprachfähigkeit der Theologie in der Klimakrise und den Beitrag der Bibel zum aktuellen Klimadiskurs. Dabei zieht er Parallelen zwischen den Umkehrrufen Jesu und den Appellen der Bewegung „Letzte Generation vor den Kipppunkten“. Zimmermann erläuterte die Bedeutung zivilen Ungehorsams und Gewaltfreiheit als Protestformen und ruft die Kirche dazu auf, aktiver im Kampf gegen den Klimawandel zu werden. Er unterstreicht, dass Kirchengemeinden eine zentrale Rolle als „das Salz der Erde“ spielen und fordert eine Bildungsinitiative für die sozial-ökologische Transformation. Das Videogespräch können Sie hier ansehen .
Auf YouTube: Johanna Gary – Wandel in der Diakonie
Johanna Gary, Leiterin der Gruppe Nachhaltigkeit bei der Diakonie Deutschland, diskutiert die Initiativen und Herausforderungen bei der Implementierung von Nachhaltigkeitspraktiken innerhalb der Diakonie. Sie erklärt, wie wichtig es ist, Nachhaltigkeit nicht nur in den operativen Tätigkeiten, sondern auch in der Organisationskultur zu verankern. Dabei betont Gary die Rolle der Diakonie als Vorbild und Multiplikator für nachhaltige Entwicklung in der Gesellschaft und die Notwendigkeit von strukturellen Veränderungen, um langfristig nachhaltige Praktiken zu etablieren. So setzt sich die Diakonie im politischen Kontext insbesondere für die sozialpolitischen Aspekte der Transformation ein. Das Videogespräch können Sie hier ansehen .
Auf YouTube: Michael von Brück – Kultur als Schlüssel der Transformation
Prof. Dr. Michael von Brück, Religionswissenschaftler und Zen- sowie Yoga-Lehrer, spricht über die spirituelle Dimension der ökologischen Transformation. Immer wieder betont er die Einheit von Kognition und Emotion und die Rolle von Ritualen und Meditation (Sesshin) im Prozess des kulturellen Wandels. Dabei unterstreicht er die Notwendigkeit eines interkulturellen Dialogs und die Integration spiritueller Praktiken, um einen nachhaltigen Lebensstil zu fördern. Bemerkenswert ist, dass Michael von Brück den Schlüssel für die Transformation in der Kultur sieht und immer wieder dazu auffordert, den Herausforderungen des Wandels mit Lust und Kreativität zu begegnen. Dazu hebt von Brück die Notwendigkeit einer geistigen Transformation hervor und sieht interessanterweise in der Dezentralisierung eine mögliche Lösung für viele der aktuellen ökologischen Probleme. Das Videogespräch können Sie hier ansehen .
Zu Michael von Brücks „Interkulturellem ökologischen Manifest“ hat Kathrin S. Kürzinger auch eine Buchvorstellung im Rahmen unserer Videoreihe „Tipps aus unserem Bücherregal“ aufgenommen. Die Folge können Sie hier ansehen .
Wenn Sie wissen möchten, welche weiteren Speaker:innen bei Glaube Liebe Wandel 2024 und in den Vorjahren dabei waren, schauen Sie gerne auf die Kongresswebsite: www.glaubeliebewandel.de
Aufgrund der vielen positiven Rückmeldungen planen wir auch für 2025 eine Fortsetzung des Formats – aller Voraussicht nach im Herbst.

